Die Vytautas-Kazimieras-Jonynas-Galerie in Druskininkai ist weit mehr als ein Museum, das einem einzelnen Künstler gewidmet ist. Sie ist zugleich das Haus, in dem Vytautas Kazimieras Jonynas seine letzten Jahre verbrachte, arbeitete, Gäste empfing und die Ausstellung jener Werke mitgestaltete, die nach Jahrzehnten im Ausland nach Litauen zurückkehrten. Für alle, die sich für litauische Kultur, Grafik sowie die Geschichte von Exil und Heimkehr interessieren, gehört sie zu den eindrucksvollsten kleinen Museen der Stadt.

Vytautas-Kazimieras-Jonynas-Galerie in Druskininkai
Die Vytautas-Kazimieras-Jonynas-Galerie in der Turistų-Straße in Druskininkai. Foto: Nationales M.-K.-Čiurlionis-Kunstmuseum.

Wer war Vytautas Kazimieras Jonynas?

Vytautas Kazimieras Jonynas (1907–1997) war einer der vielseitigsten litauischen Künstler des 20. Jahrhunderts: Grafiker, Illustrator, Maler, Bildhauer, Glasgestalter und einflussreicher Kunstpädagoge. Er studierte an der Kunstschule in Kaunas und setzte seine Ausbildung von 1931 bis 1935 in Paris fort. Dort spezialisierte er sich auf Holzschnitt und Buchkunst und beschäftigte sich zugleich mit Bildhauerei und Möbeldesign.

Internationale Anerkennung erhielt er früh. Auf der Pariser Weltausstellung 1937 wurde er unter anderem mit einer Goldmedaille für Holzschnitte und Plakate ausgezeichnet; ein Jahr später erhielt er die französische Ehrenlegion. In Litauen brachten ihm seine Illustrationen zu Kristijonas Donelaitis’ Die Jahreszeiten 1940 den Staatspreis ein.

Von Litauen über Freiburg nach New York

Jonynas verließ Litauen 1944. Im Nachkriegsdeutschland gründete er 1946 die Kunst- und Gewerbeschule in Freiburg, die zu einem wichtigen Zentrum für litauische Künstler im Exil wurde. 1951 zog er in die Vereinigten Staaten, lehrte an Hochschulen in New York und leitete ein Atelier für Glasfenster und monumentale Kunst.

Er entwarf Briefmarken, illustrierte Bücher und schuf Skulpturen, Mosaiken, Kirchenräume und Glasmalereien. Zu seinen bekanntesten internationalen Projekten zählen Arbeiten für die Kapelle der litauischen Märtyrer im Petersdom in Rom. Diese Vielfalt macht die Sammlung in Druskininkai zu einem Überblick über ein ganzes Künstlerleben und nicht nur über eine einzelne Technik.

Warum wurde Druskininkai zu seiner Heimat in Litauen?

Das von Architekt Algimantas Kančas entworfene Galeriegebäude wurde 1989 fertiggestellt. Es verband von Anfang an Ausstellungs- und Wohnräume — Galerie und Sommerhaus zugleich. Nach mehr als vier Jahrzehnten im Exil verbrachte Jonynas hier von 1989 bis 1997 die Sommermonate.

Am 4. November 1993 öffnete die Galerie als Zweigstelle des Nationalen M.-K.-Čiurlionis-Kunstmuseums. Der Künstler war nicht nur der Name an der Tür: Er lebte und arbeitete im Haus, entwickelte die Präsentation weiter, nahm am Kulturleben von Druskininkai teil und sprach mit Besuchern über seine Kunst. 1997 wurde er zum Ehrenbürger von Druskininkai ernannt.

Atelier von Vytautas Kazimieras Jonynas in Druskininkai
Das erhaltene Atelier vermittelt die Atmosphäre der Sommer, die der Künstler in Druskininkai verbrachte. Foto: Nationales M.-K.-Čiurlionis-Kunstmuseum.

Was gibt es in der Galerie zu sehen?

Die Dauerausstellung umfasst mehr als hundert Werke aus den Jahren 1931 bis 1982, die der Künstler Litauen übergab. Die Sammlung zeigt, wie Jonynas Ideen und Techniken zwischen Litauen, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten übertrug.

Jonynas besaß ein besonderes Gespür für Natur und Farbe. Das Pastell Mein Garten zeigt eine freiere, unmittelbarere Seite des Künstlers, der häufig vor allem mit präziser Grafik verbunden wird.

Pastell Mein Garten von Vytautas Kazimieras Jonynas
Mein Garten, Pastell von Vytautas Kazimieras Jonynas. Bild: Nationales M.-K.-Čiurlionis-Kunstmuseum.
  • Holzschnitte und Buchgrafik;
  • Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle;
  • Entwürfe für Glasfenster und monumentale Arbeiten;
  • Skulpturen und sakrale Kunstprojekte;
  • persönliche Gegenstände und den Arbeitsbereich des Künstlers.

Auch die häuslichen Räume und persönlichen Gegenstände sind ein wesentlicher Teil des Besuchs. Sie machen hinter der berühmten Biografie den Menschen sichtbar und zeigen, wie eng Alltag und künstlerische Arbeit miteinander verbunden waren.

Praktische Informationen

Adresse: Turistų g. 9, Druskininkai.

Reguläre Öffnungszeiten: Dienstag–Freitag 10:00–17:00 Uhr, Samstag 11:00–18:00 Uhr, Sonntag 11:00–16:00 Uhr. Prüfen Sie vor Ihrem Besuch Feiertagsänderungen und aktuelle Eintrittspreise auf der offiziellen Galerieseite.

Für einen ruhigen Rundgang sollten Sie etwa 45–75 Minuten einplanen. Die Galerie lässt sich gut mit einem Kulturspaziergang durch das Zentrum und weiteren Museen in Druskininkai verbinden.

Warum empfehlen wir diesen Ort?

Die Galerie verbindet mehrere Geschichten: die Entwicklung einer eigenständigen litauischen Kunst, den Bruch des erzwungenen Exils, eine internationale Karriere und die emotionale Rückkehr nach Hause. Hier wird verständlich, wie eng die persönliche Biografie des Künstlers mit der litauischen Geschichte des 20. Jahrhunderts verknüpft ist.

Deshalb ist die Vytautas-Kazimieras-Jonynas-Galerie mehr als eine weitere Station auf einer Museumsroute. Sie ist ein stiller, persönlicher Ort, an dem Kunst, Zuhause und Erinnerung zusammenkommen.